Ambastia sidthimunki

Umgangssprachlicher Name:
Schachbrettschmerle / Zwergschmerle 

Beschreibung: 

Ambastia sidthimunki ist eine kleine Schmerlenart mit einem für sie typischen Schachbrettmuster entlang eines mittleren schwarzen Streifen entlang der Seitenlinie. Die beweglichen hellen Augen mit schwarzer Pupille durchzieht ein schwarzer Streifen.
Das Fleckenmuster ist eindeutig als somatolytisches (Körperauflösendes) Muster zu werten. Dies sieht man vor allem bei einer Hälterung der Tiere wenn man Granitsteine im Becken liegen hat. Die Tiere sind dann phasenweise nicht vor dem Hintergrund nur schwer auszumachen auszumachen.

Größe und Alter:


Ambastia sidthimunki erreicht eine Länge von bis zu 7 cm und hat eine Lebenserwartung von bis zu 15 Jahren. Dadurch nehme ich an, dass die Geschlechtsreife erst nach 2-3 Jahren erreicht ist.

Geschlechtsunterschiede:

Primäre Geschlechtsmerkmale sind nicht zu erkennen, da keine Verbindung der Gonaden zu dem Urogenitalbereich. Sekundäre Geschlechtsmerkmale, wie Färbung oder Flossenform sind mir noch nicht bekannt. Die Weibchen scheinen aber größer und massiger zu werden

Verbreitung:

Laos, Thailand, Mekong Delta, 
Chao Phraya

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Ambastia sidthimunki

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Ambastia sidthimunki 20.048900, 102.211000


Ambastia sidthimunki wurde hauptsächlich in Klarwasserflüssen, allerdings in strömungsarmen Bereichen gefangen. Es dürfte sich um sauerstoffreiches Wasser im sauren Bereich (pH 6-6,8 ) geringer bis mittleren Härte bewegen, wie die meisten Klarwasserflüsse Asiens.

Sozialverhalten:

Ambastia sidthimunkiotia striata sollte unbedingt in einer Gruppe von min 10 Tieren gehalten werden. In Einzelhaft kümmern diese geselligen Tierchen schnell. Sie suchen viel Körperkontakt und sind sehr verspielt.In der Gruppe gibt es eine feste Hierarchie. Das Größte Tier kann sich den Ruheplatz aussuchen und wird dort nicht verdrängt. Beim Fressen gibt es keine Hierarchie.
Die Tiere sind 24h lang aktiv und ruhen sowohl am Tage als auch in der Nacht. Dabei bevorzugen sie Röhren mit 2 Ausgängen. Zwar spielen sie nicht ganz so theatralisch „Toter Mann“ wie Botia lohachata, liegen aber auch mal auf der Seite und scheinen wie tot. Eine Kommunikation zwischen den Tieren findet nach eigenen Beobachten durch das „aufrecht“ nebeneinander stehen im Wasser statt. Genauere Untersuchungen finden aber erst statt.

Beckenhaltung

Ambastia sidthimunki sollten in Becken mit mindestens 100cm x 40cm Grundfläche gepflegt werden. Die Höhe ist nicht so wichtig, da reichen 40cm locker aus.
Da sie empfindliche Barteln haben und gerne Gründeln, ist ein möglichst einkörniger Quarzsandboden sehr wichtig. Chaotisch aufgeschichtete Steinaufbauten mit vielen Ritzen und Höhlen sind der bevorzugte Ruheplatz der Tiere. Hier finden sie Deckung und Höhlen und sind von ihrer Grundfärbung her darauf eingestellt. Bambushöhlen und ausgehöhlte Kokosnüsse runden das Schmerlenbecken ab.

Die Bepflanzung sollte zwar üppig, aber nicht undurchdringlich sein. Cryptocorynen jeglicher Couleur kommen auch in den Heimatgewässern der Tiere vor. Eine Wasserpflanzendecke ist nicht zwingend erforderlich, weil die Tiere recht neugierig und nach einer längeren Eingewöhnung kaum noch schreckhaft sind, erleichtert den Tieren aber die Eingewöhnung.
Die Wassertemperaturen dürfen um 25°C liegen. Bei einer Gesamthärte um 6-8° und einem pH-Wert geringer als 7 (durch Erlenzäpfchen oder Torf) und eine Gruppe von min.10 Schmerlen entfalten die Tiere ihr ganzes Verhaltenspotential. Wichtig ist meines Erachtens die abwechslungsreiche Fütterung. Hauptsächlich Lebend- und Frostfutter sollte gereicht werden. Gemüse sollte auch auf dem Speiseplan der 
Ambastia sidthimunki stehen. Dabei aber in Maßen füttern, da dieser Allesfresser sehr schnell verfettet.
Sind gleichzeitig noch andere Bodenbewohner wie ABC-Welse (Aspidoras-Brochis-Corydoras) im Becken sollte an verschiedenen Plätzen gleichzeitig gefüttert werden, weil die Welse sonst nichts abbekommen.

Literatur & Links

  1. Ott,Gerhard: Schmerlen im Aquarium , Flensburg, Tetra Verlag GmbH (2000), ISBN 3-89745-128-X

Erfahrungsbericht

Als ich im Sommer 2003 meine ersten 6 Schachbrettschmerlen (
Ambastia sidthimunki damals hießen sie noch Botia sidthimunki) kaufte, wußte ich noch nicht, wen ich mir da ins Becken hole. Ich kannte lediglich die Rahmenbedingungen zur Haltung von Schachbrettschmerlen. Und so zogen die Tiere in ein mit Botia striata RAO,1920 besetztes 200 Liter Becken ein. Die 6 Schmerlen waren 1-2 cm groß und recht mager. Ich hatte wenig Hoffnung, alle durchzubekommen. Um im Nachhinein mehr über meine 6 Neuerwerbungen sagen zu können, führte ich eine Art Tagebuch:

1. Tag:

Ich erstand bei meinem Fischhändler 6 Schachbrettschmerlen von 1-2 cm Länge zum Preis von 6,99 pro Stück. Eigentlich wollte ich eine Gruppe von 15 Tieren, aber das war nicht machbar. Mal sehen, wann ich den Bestand aufstocken kann. Auffällig bei den Tieren ist die Zeichnung. Das typische Schachbrettmuster ist nur im Bereich der Rückenflosse bis zur Schwanzflosse vorhanden. Im vorderen Bereich ähneln sie eher der A. nigrolineata KOTTELAT & CHU, 1987. Alle Tiere haben eine sehr kontrastreiche Färbung und sind sehr agil im Händlerbecken und in der Tüte. Da ich die Händlerwasserwerte kenne und eine Woche zuvor erst Netz- und Streifenschmerlen bei ihm erworben hatte, war das Becken Wassertechnisch schon recht gut präpariert. Entfernung Händler – Wohnzimmer beträgt Luftlinie 600 Meter. Also konnte ich die Tiere relativ zügig in ihr neues Heim entlassen. Anstatt sich erst mal zu verstecken erkundeten sie ihre neue Umgebung sehr ausführlich. Einige Stunden später gab es dann Futter in Form einer Zucchini für die Welse und rote Frostfutter Mückenlarven und etwas Futtergranulat von JBL (NovoBea – sehr feines Granulat). Die Schachbrettschmerlen sprachen sehr gut auf das Granulat an und ignorierten die Mülas, zu Freude der restlichen Besatzung. Das Granulat sollte aber nur die Ausnahme darstellen, bis ich die richtige Nahrungszusammensetzung mit den Fischen erarbeitet habe. Dabei hat sich das JBL Granulat als Erstfutter sehr bewährt. Bislang mochten es alle meine Pfleglinge.

4. Tag:

Leider sind mir die Artemias heruntergefallen, und die Moinas brauchen auch noch einen Tag bis ich neu abschöpfen kann. Also gibt es heute gefr. Daphnien und ein paar Futtertabletten. Eine futterfreien Tag mag ich nicht einlegen. Es sind ja schließlich noch Babies. Was mir etwas Sorge bereitet, ist das dauernde hin und her Geschwimme an der Scheibe entlang. Nicht alle, aber immer 3-4 Stück. Sie scheinen gar keine Pause zu machen. Nicht einmal nach dem das Licht aus ist. Merkwürdig.

6. Tag:

Wenn sie mich sehen hauen sie ab, aber nur ein Stückchen; in der Hoffnung es könnte ja ein paar Moinas geben. Mit ihren feinen Barteln gründeln sie immer unter den Blättern der Pflanzen. Was sie da wohl suchen? Bislang ignorieren sie immer noch alle Höhlen. Lediglich der Vallisnerienwald übt eine gewisse Anziehungskraft aus. Was das Scheibenschwimmen angeht, gibt es kaum eine Besserung zu vermelden.

8. Tag:

Es ist mir endlich gelungen eine der „Großen“ größentechnisch zu fotografieren. Sie ist ca. 2,5cm lang. Die kleine dürfte dann so an die 2 cm sein. Ihr rastloses Schwimmen wird immer häufiger durch das „Schnüffeln“ an Blättern und das Gründeln im Sand unterbrochen. Ich bin richtig stolz auf meine kleinen Racker. Für Morgen früh ist der erste Teilwasserwechsel mit Osmosewasser geplant. Ich werde heute Nachmittag die Wasserwerte nehmen und sie bis morgen noch mal durchs Forum laufen lassen. Bei meinen Sumatras habe ich die Werte über 14 Tage lang angeglichen. Doch hier werde ich wohl etwas vorsichtiger sein.

10. Tag:

Die Artemias sind der absolute Renner. Die Schmerlen waren förmlich aus dem Häuschen. Bislang konnte ich noch keine Hierarchie feststellen. Man kann ihnen übrigens beim Wachsen zusehen. Mittlerweile schwimmen wieder häufiger 5 bis 6 Schmerlen an der Scheibe lang. Eine Schmerle scheint der Verursacher zu sein. Es ist aber nicht die größte und auch nicht die kleinste.

3. Woche:

Die kleinen Schachbrettschmerlen haben sich nun definitiv eingelebt. Lange Schwimmtörns an der Frontscheibe kommen nicht mehr vor. Dafür sind sie sehr aufmerksame Aquarienbewohner geworden. Kommt man zu nah ans Becken, ziehen sie sich in die hinteren Beckenregionen zurück. Allerdings verstecken sie sich nicht. Sie halten sich lediglich die Rückzugsmöglichkeit offen. Genauestens beäugen sie meine Bewegungen, in der Hoffnung es könnte sich um das Einbringen von Futter handeln. Dann verliert sich diese leichte Scheu und sie „stürzen“ sich ins Getümmel. Während der Pfingsttage konnte ich ihr Schlafverhalten beobachten und bin ganz überrascht.

Sie schlafen nicht wie angenommen im sicheren Schutz einer der zahlreichen Höhlen und Verstecke sondern liegen auf relativ offenen Sandflächen. Dabei liegen sie auf dem Bauch. Ein Umkippen oder „Toter Mann“ wie bei Botia lohachata konnte ich nicht beobachten.

Ihr anfänglich starkes Gruppenverhalten weicht immer mehr dem lockeren Gefüge, welches ich besonders bei Lohachata-Gruppen beobachten konnte. Während ich meine Botia striata eher selten alleine umherstreifen sehe, dauert es eine ganze Weile um alle Ambastia sidthimunki zu finden. Ihr „Schachbrett-Muster“ tarnt sie vorzüglich. Zwar stimmt das Farbmuster absolut nicht mit dem Hinter-/Untergrund meines Aquariums überein, aber das Muster löst sich aufgrund der Licht- und Schattenspiele fast völlig auf. Ihr Aufenthaltsbereich im Becken umfaßt immer noch hauptsächlich die mittleren Wasserregionen, wobei sie gerne auf erhöhten Plätzen liegen. Bis auf die Zeit nach dem Füttern, konnte ich kein Gründeln beobachten. Nur das „Beschnuppern“ der Pflanzenunterseite dient anscheinend dem Aufstöbern von Nahrung. Wobei aber zu sagen ist, daß sie keine Algen abweiden.

5. Woche:

Diese Woche konnte ich erstmalig ein Rangordnungsverhalten beobachten. Während die Schachbrettschmerlen eigentlich kaum in der Gruppe anzutreffen sind, gibt es doch eine gewisse Rangordnung innerhalb des „losen Verbundes“. Direkt vor meinen Augen trafen die beiden größten
Ambastia sidthimunki aufeinander, wie eigentlich häufiger am Tag. Nur dieses mal hatten beide ihre Färbung verloren. Nur noch der Rückenstreifen war zu erkennen. Offenbar verursachte das Zusammentreffen einen enormen Streß. Beide standen fast aufrecht stehend nebeneinander, Kopf an Kopf. Bewegte sich die einer in irgendeine Richtung, vollführte die andere die selbe Bewegung, wobei diese Richtungsänderungen nicht nur von einer ausgingen. Zwischenzeitlich kam es zu einem Zittern des Körpers. Während ich von anderen Botia-Arten eine Drehbewegung „Kopf-Schwanz“ als Rangordnungskampf kannte, wobei eine schließlich das Weite suchte, wollte hier keine nachgeben. Selbst andere Ambastia sidthimunkii wurden ignoriert. Es existierte kein Drumherum für die beiden. Erst das Eingreifen einer Botia striata beendete das Ritual. Kurz danach konnte man beide wieder einträchtig zusammen schwimmen sehen. Ich hake das als langsam Geschlechtsreif werden ab.

6. Woche:

Keine besonderen Vorkommnisse. Die Tiere werden immer größer und kräftiger. Mittlerweile hängt nur noch eine in der Größe hinterher. Ihre Färbung hat sich immer noch nicht viel verändert. Sie haben von der Mitte bis zur Schwanzflosse die typische Fleckfärbung. Zum Maul hin verläuft nur ein Längsstreifen. Vielleicht kann mein Händler den genauen Herkunftsort herausfinden. Vielleicht gibt es ja Unterschiede in der Musterung abhängig zum Herkunftsgebiet.

Zwei Jahre später:

Mittlerweile bin ich Mitglied des BSSW und habe mich mit einem Aquaristikfachgeschäft selbstständig gemacht, was die Beschaffung neuer Schmerlen doch ganz erheblich vereinfacht. Die Truppe ist mittlerweile auf 25 Tiere aus ganz Deutschland kommend angewachsen. Sie haben ein neues Aquarium bekommen (100x50x50cm) und leben nun in Gesellschaft von 15 Botia kubotai KOTTELAT,2004 und einem Kampffischpaar (Betta splendens).

Die Verhaltensähnlichkeiten der 2 unterschiedlichen Gattungen ist enorm. Das Kopf-an-Kopf stehen ist zwischenzeitlich immer noch zu beobachten, nur daß auch immer wieder Botia kubotai und Ambastia sidthimunki beteiligt sind. Die ältesten Exemplare bringen es auf ca. 5,5-6cm Totallänge und können somit den B. kubotais fast das Wasser reichen, welche mit einer Größe von 10cm keine großen Wachstumsschübe mehr machen sollten.

Mittlerweile kann ich immer mal wieder einen Laichansatz bei den Tieren erkennen. Wenn ich es schaffe Nachts mit einer Taschenlampe eines der trächtigen Tiere zu „röntgen“, sieht man deutlich kleine Eier im Bauch des Tieres. Nach ein paar Tagen ist der Laichansatz dann aber wieder verschwunden. Ob abgelaicht wurde oder ob die Tiere in der Lage sind ihren Laich zu resorbieren, weiß ich nicht. Ich denke nicht, dass ihr aktuelles Heim eine Möglichkeit der Eiablage bietet. In diesem Zusammenhang stelle ich mal folgende Theorie über die Funktion des Unteraugendorns auf. Bezugnehmend auf die Nachzuchterfolge bei Dornaugen , welche jedes Mal in durchströmten Filtersubstrat gelaicht haben, denke ich, dass die Tiere zur Eiablage enge Felsspalten benötigen, um den Laich herauszustreifen. Die Strömung verteilt dann die Eier und gewährleistet so, dass nicht alle Eier von nachfolgenden Tieren verspeist werden. Der Unteraugendorn dient zum Halt in zwischen den Steinen bei starker Strömung. Zur Zeit plane ich ein Becken, welches eventuell eine Eiablage nach o.g. Theorie ermöglicht.

Dezember 2018
Von den Ursprünglich 25 Tieren sind noch 3 Tiere übrig geblieben.
Desweiteren hat es im Laufe der Zeit Nachwuchs gegeben. Wie das passieren konnte ?
Keine Ahnung. Auf jeden Fall habe ich keine Tiere nachgekauft und ich habe 4 Schachbrettschmerlen im Aquarium, wobei eines der Tiere deutlich kleiner ist.
Sie Leben zur Zeit mit einer 6er Gruppe Botia Kubotais auf 240 Liter und erfreuen sich bester Gesundheit.